Dr. Hermann-Josef Berger, Psychoanalytiker und ehemaliger Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Dr. Wilhelm Salber ist verstorben. Ein Nachruf von Dr. Norbert Endres.

Die Älteren unter den Kölner Psychologen haben Hermann-Josef Berger, Psychoanalytiker mit eigener Praxis, bestimmt noch gekannt. Kurz vor Ostern ist er in Erftstadt verstorben.

Am neu gegründeten Psychologischen Institut II der Universität zu Köln war Hermann-Josef Berger nach seinem Diplom (1969) viele Jahre Assistent bei Wilhelm Salber. Wie die anderen Kollegen der zweiten Mitarbeitergeneration engagierte auch er sich voll an der Entwicklung des Konzepts der Kölner Morphologischen Psychologie. Seine Überlegungen „Zur Zukunft einer psychologischen Medienforschung“ (1972) und vor allem seine Dissertation „Psychologische Untersuchungen zur Wirkung und Nachwirkung von Spielfilmen“, die er 1973 fertig stellte und in der er die Fruchtbarkeit des Denkens in „Wirkungseinheiten“ (Salber 1969) als einer der ersten aufzeigen konnte, zeugen davon.

Nach der Promotion hat Herrmann-Josef Berger, wohl auch unter dem Einfluss der Salberschen Veranstaltungen zur Psychologie Sigmund Freuds, eine psychoanalytische Ausbildung bei der Kölner Arbeitsgemeinschaft der DPV begonnen. 1979 hat er sie abgeschlossen. Der am Institut von W. Salber konzipierten Entwicklung einer psychologischen Kurztherapie (Analytische Intensivberatung) hat er sich nicht angeschlossen. Wohl aber hat er während seiner Assistentenzeit deren Entwicklung durch Fallvorträge u..ä. aus der Erfahrung der klassischen Psychoanalyse (kritisch) unterstützt.

Mit dem Abschluss seiner Ausbildung zum ‚Psychoanalytiker (DPV)‘ ist Hermann-Josef Berger als Mitarbeiter am Psychologischen Institut ausgeschieden und hat sich als Therapeut mit eigener Praxis zunächst in Köln, dann in Erftstadt niedergelassen.

Als sich in den späten 80er Jahren die politischen Spielräume zur Entwicklung eines neuen Psychotherapeutengesetzes verbesserten, hat er die Arbeit daran nicht einfach andern überlassen. Überzeugt von der Notwendigkeit, angesichts der behindernden Vorgaben der Medizin p s y c h o l o g i s c h e n Prinzipien der Behandlung Geltung zu verschaffen, hat sich Hermann-Josef Berger früh schon aktiv in die Diskussion um das Gesetz eingemischt und bald auch als Mitglied im Vorstand der DGPT wirklich Einfluss genommen.

In Jahrzehnten psychotherapeutischer Tätigkeit hat Hermann-Josef Berger seine Patienten erfolgreich darin unterstützt, sich aus ihren Selbstbehinderungen zu befreien und anstelle unverstandener Leidensgeschichten ein bewegliches Leiden-Können des jeweils Unabänderlichen zu entwickeln. Seine eigene in den letzten Jahren immer mehr belastende Parkinsonsche Krankheit hat ihn nicht dazu verleiten können, sich zu verstecken. Er hat sie vorbildhaft angenommen und selbst darin noch Entwicklungschancen für sich gesehen. Die ihn gekannt haben, werden ihn vermissen.

Norbert Endres