Porträt des WSG-Mitglieds Susanne Wiesmann

Susanne Wiesmann wurde in Bielefeld geboren. Über Umwege kam sie schließlich nach Köln und studierte bei Wilhelm Salber Morphologische Psychologie. Nach ihrem Diplom arbeitete sie bei rheingold, Institut für Marktforschung in Köln. Nach einigen Jahren machte sie sich selbständig und gründete 2004 das Institut wiesmannforschenundberaten. Ihre Arbeit war sehr erfolgreich, so dass sie heute nicht nur nationale sondern auch internationale, morphologische Studien zu Produkt- und Kulturforschung durchführt. Die persönlichen Interessen Susanne Wiesmanns gelten der Kunst und der Architektur. Am liebsten besucht sie verwunschene Gärten und alte Städte. Hin und wieder spielt sie Klavier oder geht in Konzerte. Auch für das Wandern kann sie sich begeistern.

Frau Wiesmann, was wünschen sie sich für die Zukunft der WSG?
Ich wünsche mir, dass die WSG zu einer inspirierenden Schnittstelle für die Morphologen wird. Die Plattform zeigt ja wunderbar, wie lebendig diese Community ist und was sie alles bietet. Ich erlebe die WSG dabei wie eine Großfamilie, in der man sich regelmäßig trifft und indem man sich zu aktuellen Themen austauscht, auch seine Haltung als morphologischer Psychologe reflektieren kann.
Die WSG als ein Spielraum, in dem man sich unterhaltsam beim Verstehen der Welt hilft.
Vielleicht kann man unter dem Dach der WSG langfristig sogar Fortbildungen anbieten, beispielsweise für die nicht mehr gelehrten Verfahren wie Rorschach oder TAT. Ich nutze das Wissen noch heute regelmäßig, sehe aber, dass die Jüngeren es nicht mehr lernen. Das ist ein Verlust.

Welches Gebiet oder Phänomen des menschlichen Lebens sollte morphologisch untersucht werden?
Angesichts der aktuellen Lage in unserem Land und in Europa würde ich gerne ergründen, was ‚Integration‘ psychologisch ist. Es scheint ja etwas anderes zu sein als Politiker derzeit darunter verstehen. Wie wird man irgendwo heimisch? Aber sicher ist das schon erforscht.

Über welche Berührungspunkte haben sie die psychologische Morphologie kennengelernt?
Auf der Suche nach der richtigen Universität für das Studium der Psychologie hörte ich auch eine Vorlesung von Professor Salber zu E.T. Ich war unmittelbar ergriffen, obwohl ich nicht verstand, was dort gesagt wurde. Ich hatte dennoch den Eindruck, dass mich da etwas verstand und dass es in eine Welt führen würde, die zu mir passt. In meiner Jugend fand ich bei meinen Eltern das Buch ‚Abriß der Psychoanalyse‘, das ich zu der Zeit auch nicht verstanden habe. Erst im Studium erinnerte ich mich daran, dass die Lektüre wie die Salber-Vorlesung ein Guide zur Morphologischen Psychologie waren.

Welches psychologische Buch nehmen Sie immer mal wieder zur Hand?
Das wechselt. Aktuell bin ich vor allem mit Literatur zur Mutterschaft und zur frühen Kindheit beschäftigt. Von Salber lese ich aber häufig in der ‚Märchenanalyse‘, derzeit noch einmal die ‚Seelenrevolution‘. Natürlich lese ich gerne die Bücher anderer Autoren der Morphologischen Community, die ich auch empfehle, wenn ich nach lesbarer Literatur zur Morphologie gefragt werde.

Welches Land würden Sie einmal gerne bereisen?
Ich hätte vor allem gerne einmal mehrere Wochen frei. Über ferne Länder lese ich eher. Aber eine längere Zeit historische Landschaften in Frankreich zu erkunden und in einem burgundischen Dorf meine Zeit verbringen und den Grillen beim Zirpen zuhören zu können – das wäre schön. Aber vielleicht reise ich demnächst nach Japan. Das hat mich schon länger interessiert.

Gestalt und Verwandlung ist das zentrale Urphänomen der psychologischen Morphologie: in wen oder was würden sie sich gerne für einen Tag verwandeln?
Margot Fonteyn, die englische Primaballerina. Es hat mich am Tanz schon immer fasziniert, dass außer dem Können auch die Musik wirklich bewegt. Ich würde gerne einen Tag so tanzen und springen können wie Margot Fonteyn. Und natürlich möchte ich an dem Tag einen Pas de deux mit Rudolf Nureyev tanzen.

Frau Wiesmann wir bedanken uns für Ihre Antworten.