Bei dem unten abgedruckten Text handelt es sich um die Beschreibung eines frühen Gemäldes (Dunstanborough Castle, 1798) von William M. Turner (1775 – 1851) von Jack Lindsay (1985) in seiner Biographe Turner - The Man and His Art. Das Buch befindet sich in Wilhelm Salbers Privatbibliothek. Die Textstelle (S. 52) ist oben links auf der Buchseite durch ein, mit Bleistift gezeichnetes, „X“ markiert. Die Bildbeschreibung von Jack Lindsay liest sich wie der Aufriss einer morphologischen Psychologie.

Natur in Bewegung

Natur ist nicht länger ein statisches System bei dem die Teile sauber voneinander getrennt sind. Sie wird als etwas verstanden, das unablässig in Bewegung und Veränderung ist. Mit harten Gegensätzen ebenso wie übergreifenden Harmonien. Diese, der Natur innewohnende, Unruhe, die zugleich mit einer Suche nach Stabilität und Vermittlung wirksam ist, bewirkt einen unablässigen Ausbruch von miteinander streitenden Gegensätzen und Kontrasten.

Dunstanborough Castle (1798) von W.M. Turner

Hier treffen wir auf das kantige Cliff ebenso wie auf das weich machende Licht, Wüste und Fruchtbarkeit, Schrecken und Freude, Nähe und Ferne. Hier ist das Licht ein aktives, die Teile zueinander in Beziehung setzendes Prinzip und nicht ein Medium, dass sich passiv auf die Gegenstände legt.

Das Zurückweichen von Flächen und Farben in den scheinbaren Hintergrund wird zum Zentrum des Lichts, sowohl als ein stabilisierender Anhaltspunkt, als auch als Kern einer beunruhigenden Kraft. Alles strömt in ihn hinein, wird aber auch aus ihm herausgeschleudert. Die Balance zwischen nach Außen und nach Innen strebenden Kräften wird aufgefangen von einem Blitz zusammenhängender Vision, so dass alle Teile der Szenerie in einem als reich empfundenen Muster zusammenfinden. Dennoch ist das Ganze im Übergang, auf dem Weg zu neuem Konflikt und neuer Lösung. (Übersetzung D.B.)