Auf einer Veranstaltung des Dumont Verlags im Rotonda Business-Club wurde über die Zukunft des Rheinlands diskutiert. Der Psychologe und Bestseller - Autor Stephan Grünewald war dabei.

Am 10. November fand im Rotonda Business Club in Köln eine vom Dumont-Verlag ins Leben gerufene Diskussionsrunde statt, an der auch das WSG-Mitglied Stephan Grünewald teilnahm. Im Mittelpunkt des Abends standen Zukunftsvisionen für das Rheinland. Es diskutierte der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, Stephan Grünewald, Geschäftsführer des rheingold-Instituts und Michael Heller, Stadtplaner und Projektleiter für die städtebauliche Weiterentwicklung Kölns.

Zu Beginn formulierte der neue Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) die seiner Ansicht nach guten Aussichten, dass sich NRW in den kommenden Jahren zu einer Art „Silicon Valley“ Deutschlands entwickeln wird. Im Land gebe es eine Reihe von hervorragenden Universitäten, eine große Anzahl von vielversprechenden Startup- und eine hohe Konzentration von Medienunternehmen. Michael Heller, Mitarbeiter im Planungsbüro des jüngst verstorbenen Albert Speer, legte ergänzend seine Sicht eines nachhaltigen Masterplans für das Rheinland dar.

Der Part Stephan Grünewald bestand darin, die psychologischen Rahmenbedingungen für solche Planungen aufzuzeigen. Er konnte dabei auf seine beiden Bücher „Deutschland auf der Couch“ und „Köln auf der Couch“ zurückgreifen. Grünewald legte dar, dass Köln auf der einen Seite so etwas wie einen Metropolenanspruch verfolge und auf der anderen Seite an einer Art Kaffee-Glückseligkeit festhalte. Auch daher habe das Stadtbild Kölns in weiten Bereichen etwas Provisorisches. Es gelinge nur schwer, dieses Unfertige an das gesteckte Ziel, Metropoile zu sein, mit angemessenen städtebaulichen Maßnahmen anzupassen. Es ist, als scheue man sich in Köln, eine Sache mit Konsequenz zuende zu bringen, als wolle man sich den Freiraum für eine Vielfalt von Möglichkeiten aufrechterhalten. In diesem Spannungsfeld bringe man allerdings auch eine enorme Kreativität hervor. Letztere drücke sich nicht nur im Karneval und seinen witzigen Liedern, sondern auch darin aus, dass gerade in dieser Stadt zwei der wichtigsten, Content produzierenden Medien-Unternehmen ansässig sind.

Alte Rivalitäten

Grünewald machte im Laufe des Abends noch auf ein anderes Spannungsfeld im Gesamtbild Rheinland aufmerksam. Dieses finde zum Beispiel in der alten Rivalität zwischen den beiden großen Nachbarstädten am Rhein – Düsseldorf und Köln – Ausdruck. Er stellte die These auf, Köln nehme im Haus NRW den Raum der Küche ein. Ein Ort, an dem auf kreative Weise Material vernichtet und zugleich geschaffen werde. Die Landeshauptstadt Düsseldorf hingegen habe im Haus für sich den Ort der Gästetoilette besetzt. Ein Raum, der stets penibel sauber gehalten werde, dessen glänzende Armaturen man den Gästen stolz entgegenhalte. Leider habe das zur Folge, dass sich die Besucher dieses schönen Ortes kaum getrauten, ihren unwillkürlichen Körpervorgängen freien Lauf zu lassen. Auch solche Rivalitäten zwischen unterschiedlichen Bildern von Stadt gelte es bei der Aufstellung eines Masterplans Rheinland zu beachten.

Wir hoffen nun sehr, dass die zuletzt genannte, bildstarke Sicht des Psychologen auf NRW und seine Ballungszentren den Frieden im Rheinland nicht gefährden wird.