Aktualisiertes Porträt des WSG-Mitglieds Stephan Grünewald

Kein Mitglied der WSG ist in den Medien derzeit so präsent wie der Mitbegründer des rheingold-Instituts in Köln und Bestsellerautor Stephan Grünewald. Die FAZ nannte ihn den „Psychologen der Nation“ und tatsächlich gibt es kaum ein wichtiges, gesellschaftliches Phänomen, zu dem er sich auf der Grundlage von empirischen Untersuchungen des rheingold-Instituts nicht äußern würde. Im August 2020 führte der Deutschlandfunk mit Grünewald ein persönliches Interview, das mit diesem Link angesteuert werden kann.

Stephan Grünewald wurde 1960 geboren und studierte in Köln Psychologie. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Sein sportliches Herz schlägt für Borussia Mönchengladbach. Klassische Musik – vor allem Gustav Mahler – ist sein Hobby. Er selbst spielt Klavier. Zu Grünewalds wichtigsten Veröffentlichungen zählen die Bestseller “Wie tickt Deutschland?”, „Deutschland auf der Couch“, „Köln auf der Couch“ und „Die erschöpfte Gesellschaft“. Wir haben ihm sechs Fragen vorgelegt:

Herr Grünewald, was wünschen sie sich für die Zukunft der WSG?

Die WSG hat das Potential ein lebendiger und ein großer Zusammenhang zu werden. Ich hoffe, dass es gelingt viele Psychologen, die in Köln bei Prof. Salber studiert haben auf die Gesellschaft aufmerksam zu machen und sie zu binden. Die neue Internet-Plattform soll alle Morphologie-Interessierten einbinden und motivieren in dem sie aktuell darüber informiert was alles in der Community passiert: Die vielen bisher kaum wahrgenommenen Vorträge, Seminare, Veröffentlichungen in den Medien, Bücher, Tagungen etc. verweisen auf die Bandbreite und psychologische Leistungskraft der Morphologie und fördern den gemeinsamen Austausch.

Welches Gebiet oder Phänomen des menschlichen Lebens sollte morphologisch untersucht werden?

Gibt es noch Phänomene, die nicht untersucht worden sind? In Sachen Fragestellungen kennt die Morphologie ja auch keine Obergrenze. Wir haben ja bei rheingold pro Jahr circa. 200 Forschungsprojekte – das mal auf 30 Jahre hochgerechnet macht es schwierig noch völlig weiße Flecken auf der morphologischen Forschungskarte zu finden. Ich glaube allerdings, dass die Musik und musikalische Ausdrucksformen noch ein Forschungs-Stiefkind sind.

Über welche Berührungspunkte haben sie die psychologische Morphologie kennengelernt?

Ich habe 1980 in Köln angefangen zu studieren. Es gab damals eine Orientierungs-Veranstaltung für die Erstsemester mit allen psychologischen Lehrstühlen. Prof. Salber war damals turnusmäßig als Moderator bestellt. Da lernte ich zum ersten Mal seine ganz eigene und mitunter auch spitze Art kennen Psychologie zu kategorisieren. Als Prof. Salber dann Prof. A. von den Behavioristen vorstellte, sagte er lakonisch: “Das ist Prof. A. Der bringt ihnen bei, wie die Henne pickt.” Spätestens nach der aufgebrachten Reaktion von Prof. A. spürte ich das wissenschaftliche Reizklima, das gerade in Köln durch die Konkurrenz der Schulen herrschte. Nach dem ich mich die ersten zwei Semester bei allen Schulen umgeblickt hatte, habe ich dann in der morphologischen Psychologie meine “Heimat” gefunden.

Welches psychologische Buch nehmen Sie immer mal wieder zur Hand?

Gerne Freuds ‘Unbehagen in der Kultur’ oder Salbers ‘Märchenanalyse’. Mit Gewinn lese ich auch die Bücher von Prof. Blothner, Gloria Becker und Daniel Salber, weil es Ihnen gelingt, Morphologie packend und vor allem verständlich darzustellen.

Welches Land würden Sie einmal gerne bereisen?

Karl May hat einmal gesagt: “Die Seele ist ein weites Land in das wir fliehen.” Dort bin ich immer wieder gerne unterwegs und entdecke neue Landschaften. Im wirklichen Leben war ich schon zweimal auf Hawaii, wo es übrigens doch Bier gibt. Die Insel Tahiti reizt mich, da will ich irgendwann nochmals hin.

Gestalt und Verwandlung ist das zentrale Urphänomen der psychologischen Morphologie: in wen oder was würden sie sich gerne für einen Tag verwandeln?

Ich bin ein großer Fan von Gustav Mahler und habe schon davon geträumt ein Dirigent zu sein. Also ein Tag Mahler sein wäre schon klasse. Ich hadere noch, ob ich den Tag der Uraufführung seiner Sinfonie der Tausend wähle oder lieber den Tag als Mahler aufgrund einer Lebenskrise Sigmund Freud im holländischen Leyden konsultiert.

Herr Grünewald, wir danken Ihnen für ihre Antworten.